Bandscheibenvorfall LWS: Ursachen, Symptome & was Sie tun können

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Mag. Gerald Bacher

Bei Dorsofit.com erfahren Sie alles über die häufigsten Rücken- und Nackenbeschwerden. Neben Informationen über Ursachen und Symptome erhalten Sie zudem hilfreiche Tipps  zu Prävention, Training und Schmerzbehandlung.

Bandscheibenvorfälle passieren zu 90% im Bereich der Lendenwirbelsäule. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen an intensiv stechenden Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, oft auch in den Extremitäten. Laut einer Statistik sind beispielsweise 2 von 3 Österreicher/-innen mindestens einmal in ihrem Leben aufgrund von Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung.

LWS Bandscheibenvorfall

Bürotätigkeit ist eine mögliche Ursache für einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

Wo genau die Ursachen und Symptome speziell bei einem LWS Bandscheibenvorfall liegen, und was Sie akut dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Entstehung eines LWS-Bandscheibenvorfalls

Meist passiert ein Bandscheibenvorfall aufgrund einer vorhergehenden Abnützung der Bandscheiben. Diese kann man als Kissen beschreiben, die aus zähem und elastischem Bindegewebe bestehen. Sie sind dafür verantwortlich, die Bewegung der Wirbelsäule zu ermöglichen und verbinden daher je zwei Wirbelkörper miteinander.


Bandscheibenvorfälle treten in 9 von 10 Fällen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Das hängt auch damit zusammen, dass diese Bandscheiben die meiste Belastung aushalten müssen. Sie sind zwar am stärksten belastbar, doch verschleißen auch am ehesten.

Bandscheibenvorfall

Tritt der Gallertkern aus, drückt er auf den Nerv

Der Gallertkern im Inneren (Nucleus pulposus) ist umgeben von einem harten Faserknorpelring (Anulus fibrosus), welcher für die Elastizität verantwortlich ist. Wie alle Bandscheiben enthalten auch die der LWS Flüssigkeit – doch diese nimmt mit dem Alter (ab ca. 30 Jahren) ab.

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Durch Flüssigkeitsmangel kann dieser Faserring spröde werden und hat dann nicht mehr genügend Widerstandskraft – dadurch gibt er auch schneller nach. Nun kann es passieren, dass der Faserring im Inneren Risse bekommt und der Gallertkern sich nach außen vorwölbt. Das nennt man dann eine Bandscheibenprotrusion. Im Fall kann sich auch ein Stück der Bandscheibe lösen und sich aus dem Raum zwischen den Wirbelkörpern in den Nervenkanal hinausdrängen.


Bricht also der Gallertkern durch den Ring hindurch, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Dieser wird dabei ganz oder in Teilen durchgerissen. Folglich können auch Nervenwurzeln des Oberschenkelnervs (Nervus femoralis) oder des Ischiasnervs betroffen sein. In besonderen Fällen können auch die Nerven für die Blasen-, und Mastdarmfunktion, sowie die Sexualität eingeklemmt und beschädigt werden.

LWS Bandscheibenvorfall: Ursachen

Die Ursachen eines LWS Bandscheibenvorfalls liegen wie bei den meisten Prolapsen in der natürlichen Abnützung der Bandscheiben. Mit der Zeit sinkt der Wassergehalt - der Gallertkern und der Faserring werden spröder. Allerdings ist nicht nur das Alter schuld – auch junge Menschen bringen sich durch Übergewicht, falsche Belastungen, zu viel Sitzen und das Heben von Schweren Lasten in einen Risikobereich. Meistens führt demnach eine Vorschädigung der Bandscheiben dazu, dass ein BSP passiert. Weitere Ursachen sind:

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    Familiäre Vorbelastung
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    Eine Bindegewebeschwäche (angeboren)
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    Fehlbildungen, z.B. Gleitwirbel
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    Wirbelsäulenveränderungen durch Wirbelbrüche
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    Entzündliche Erkrankungen der Wirbelgelenke
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    Abnützung der Wirbelgelenke (auch durch Tumore)
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    Neurologisch: Schmerzen durch Entzündung / Einklemmung des Rückenmarknervs
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    Hohes Übergewicht (Adipositas)
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    Körperhaltung / Körpergröße

LWS Bandscheibenvorfall: Symptome

Bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS lassen sich die starken Schmerzen meistens im Lendenbereich verorten. Oft treten sie im Kreuz und in einem Bein auf und werden durch Husten und Niesen verstärkt. Beide Beine sind selten von ausstrahlenden Schmerzen betroffen, doch auch dies kann der Fall sein.


Meistens ist es so, dass die Schmerzen nicht das ganze Bein betreffen, sondern genau dort auftreten, wo sich die eingeklemmte Nervenwurzel befindet. Der Schmerz kann so stechend und stark sein, dass Betroffene eine Fehlhaltung einnehmen, um sich Linderung zu verschaffen.

Bandscheibenvorfall LWS

Ein Bandscheibenvorfall LWS verursacht heftige Schmerzen

Wenn diese Symptome auftreten, können im Fall auch das Gefühl beziehungsweise die Kraft des Beines oder Fußes beeinträchtigt werden. Zu den typischen Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls im Bereich der LWS gehört außerdem auch ein Kribbeln, das Betroffene oft als „Ameisenlaufen“ beschreiben. Bei einem besonders schweren Fall, kann es auch dazu kommen, dass die Entleerung von Harnblase und Darm gestört oder sogar unmöglich wird.


Doch dies ist nur das Szenario im schlimmsten Fall: oft verschwinden Bandscheibenvorfälle nach vorübergehenden Beschwerden von selbst! Nicht selten treten diese sogar unerkannt auf. Falls starke Schmerzen allerdings nicht vergehen sollten, kann mithilfe von bildgebenden Verfahren bestimmt werden, welcher Schaden an der Bandscheibe besteht und wie die weitere Behandlung verläuft. Eine sofortige Operation ist nur in den seltensten Fällen notwendig. Meist verschafft eine konservative Behandlung sehr gut Abhilfe.

5 Sofortmaßnahmen bei einem Bandscheibenvorfall LWS

Sie können durchaus selbst etwas gegen die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule tun. Hier kommen unsere 5 Sofortmaßnahmen & Tipps, wie Sie mit einem LWS Prolaps umgehen:

Tipp #1: Konservative Therapie

Bandscheibenvorfall Diagnose

Eine Therapie ist langfristig die bessere Lösung als sofort zu operieren

Verschwinden Ihre Schmerzen nach einem längeren Zeitraum nicht von selbst, dann sollten Sie sich auf jeden Fall mit einem Arzt absprechen und eine Therapie vereinbaren. Bei bis zu 90% aller Bandscheibenvorfälle und Beschwerden hilft Ihnen eine konservative Therapie weiter.


Die zwei wichtigsten Teilbereiche dabei sind die Schmerzlinderung (Medikamente, Wärme) und die Stärkung und Normalisierung der Rückenmuskulatur (Sport, Physiotherapie).


Tipp #2: Schmerztherapie (Wärme, Medikamente)

Schmerzmittel Rückenschmerzen

Schmerzmittel bekämpfen nur die Symptome, nicht die Ursache!

Die Schmerzlinderung ist nicht nur zu Ihrem akuten Komfort wichtig, sondern vor allem auch, damit Sie sich möglichst schnell wieder normal bewegen können. Das automatische Einnehmen von Schonhaltungen produziert wieder Schmerzen und ist auf längere Sicht keine Lösung – so kommen Sie in einen Teufelskreis.


Daher werden schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verschrieben, mit denen Sie verhindern, dass sich Ihre Rückenmuskulatur zusätzlich verspannt. Bei sehr starken Schmerzen werden manchmal auch örtlich betäubende Medikamente oder Kortison gespritzt.

Als zweite Hilfe dient wie erwähnt eine Wärmebehandlung. Indem die Durchblutung der Haut angeregt wird, kann sich auch die versteifte Rückenmuskulatur lockern. Typische Anwendungen sind etwa Rotlicht oder Fango- und Moorpackungen. Diese Methode ist auf Dauer gesünder für Ihren Magen, Darm und die Nieren, als die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln. Ansonsten empfehlen sich auch homöopathische Mittel, wie etwa Globuli.


Ganz wichtig bei der Schmerztherapie ist auch die Geduld – manchmal baucht es ein wenig Zeit, bis man die richtige Methode für sich entdeckt hat. Oft helfen auch die Erfahrungen anderer Betroffener weiter.

Info: Schlägt die Schmerztherapie länger nicht an, ist möglicherweise eine Operation vonnöten.


Tipp #3: Stärkung der Rückenmuskulatur

Besonders wichtig nach einem LWS Bandscheibenvorfall, und generell nach jedem Bandscheibenprolaps ist Bewegung. Bettruhe gilt inzwischen als überholte Therapiemaßnahme, deren Erfolge nicht bewiesen werden konnte. Viel eher empfiehlt man daher in den meisten Fällen Physiotherapie zur Schmerzlinderung. Diese können Sie auch als ambulante Rehabilitation in Anspruch nehmen.

Unterarmstütz Rückenübung

Stützübungen sind tolle Stabilisationsübungen


Es wird empfohlen, die krankengymnastischen Übungen auch danach regelmäßig zuhause auszuführen. Sie entlasten damit Ihre Wirbelsäule und werden daher auch schneller schmerzfrei – zusätzlich verhindern Sie einen weiteren Vorfall. Je nach Ihrer persönlichen Konstitution werden Ihnen auch spezielle Bewegungstherapien wie beispielsweise Aqua-Gymnastik verschrieben werden. Auch Massagen können beispielsweise dazugehören.


Auf diese Weise verbessern Sie Ihre Heilungschancen enorm. Suchen Sie sich auf jeden Fall eine leichte Sportart, wie Radfahren, Schwimmen, oder Joggen (z.B. auch Nordic Walking) – Ihr Arzt wird Ihnen eine individuelle Empfehlung aussprechen und Sie auf Aktivitäten aufmerksam machen, welche die Bandscheiben nicht zu sehr belasten. In dieser Genesungsphase sollten auch keine schweren Lasten getragen werden – eine gebückte Haltung beispielsweise ist ebenfalls tabu.


Nach 6-8 Wochen sollten sich deutliche Erfolge einstellen – meist sind die Beschwerden schon verschwunden. Ist dies nicht der Fall, wird möglicherweise eine (minimal invasive) Operation notwendig sein. Mehr dazu finden Sie hier.


Tipp #4: Übungen zur Entlastung des Rückens

Die sogenannte Stufenbettlagerung wird immer noch von vielen Ärzten als Sofortmaßnahme empfohlen, um den schmerzenden Rücken bzw. den eingeklemmten Nerv (Ischiasnerv) bei einem Bandscheibenvorfall akut zu entlasten und wieder mehr Raum zu geben:

Bandscheiben Therapie

Die richtige Therapie ist bei einem Bandscheibenvorfall entscheidend

  • Legen Sie sich dazu flach auf den Rücken (z.B. auf eine harte Matratze)
  • Dann lagern Sie Ihre Unterschenkel im rechten Winkel auf einen Würfel, ein dickes Kissen, oder etwa auf einen Hocker mit einer Decke


Eine weitere hilfreiche Übung bei Rückenschmerzen ist beispielsweise das Aushängen – dadurch können Sie Ihre Wirbelsäule dehnen und ebenfalls entlasten. Beachten Sie: diese Übung können Sie natürlich nur bei leichteren Schmerzen und nicht bei einem aktuen Prolaps durchführen!


  • Besorgen Sie sich zwei Tische oder auch zwei stabile Stühle.
  • Stützen Sie Ihre Hände auf und lassen Sie Ihr Becken locker hängen.
  • Die Schwerkraft erledigt den Rest und zieht Ihre Wirbelsäule lang.


Als dritte Übung können Sie sich an der Kutscherstellung versuchen. Diese wirkt ebenfalls entspannend bei gereizten Rückennerven:


  • Setzen Sie sich auf einen Stuhl und spreizen Sie die Beine.
  • Ihren Oberkörper beugen Sie leicht nach vorne, die Ellenbogen legen Sie auf die Knie.
  • Ihre Arme und Hände fallen locker zwischen die Beine – ganz so, also würden Sie die Zügel eines Pferdes halten – Ihr Kopf sinkt nach vorne. Auf diese Weise dehnen Sie Ihre Wirbelsäule und können die Schmerzen lindern.

Tipp #5: Rückenfreundlicher Alltag

Um einem weiteren Bandscheibenvorfall vorzubeugen, ist es zentral, den Alltag an die Rückengesundheit anzupassen. Gerade in Bürojobs und bei sitzenden Tätigkeiten kann dies schwierig sein. Auch beim Schlafen heißt es auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen und auf eine hochwertige Matratze und ein passendes Kopfkissen zu setzen. Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag gibt es sehr viele:

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    Richtiges heben: gehen Sie beim Heben immer in die Knie und überlassen Sie das Gewicht den Oberschenkel-Muskeln. Überlegen Sie: wenn Sie eine Bierkiste mit 15kg aus dem Rücken heraus heben, dann drückt aufgrund der Hebelwirkung ein Gewicht von 400kg auf Ihre Bandscheiben! Tragen Sie auch immer besser zwei Einkaufstaschen als eine große auf einer Seite. Wenn Sie einen Rucksack tragen, dann achten Sie darauf, dass die Träger gut auf Ihren Rücken eingestellt sind. Schwere Gegenstände sollten immer unten und nahe am Körper im Rucksack verstaut werden.
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    Ergonomisches Arbeitsumfeld: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz möglichst ergonomisch ein. Inzwischen gibt es tolle Möglichkeiten, in einer Kombination aus Sitzen und Stehen zu arbeiten. Im Falle kann auch eine dauerhaft stehende Arbeitsweise gut sein. Besorgen Sie sich auch einen Stuhl mit normaler Höhe, indem eine aufrechte und wechselnde Sitzposition möglich ist. Meiden Sie tiefe, weiche Sitzmöbel. Keilförmige Sitzkissen haben sich als rückenfreundlich bewährt.
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    Im Alltag: Positionieren Sie viel verwendete Alltagsgegenstände am besten auf einer gut erreichbaren Höhe. Damit entlasten Sie nicht nur Ihre Arme und Augen, sondern verhindern auch, dass Ihre Halswirbelsäule überlastet wird.
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    Schlafsystem: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wirbelsäule während des Schlafens nicht abknickt. Dafür ist eine gute Matratze wichtig, die zu Ihrem Körpergewicht passt. Ihr Kopfkissen sollte einen flachen Ausgleich der Nackenwölbung ermöglichen. Lassen Sie sich im Fall von einem Experten beraten, um die individuell beste Lösung zu finden. 
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    Stress reduzieren: Ein wichtiger Faktor bei Rückenschmerzen ist immer auch die psychische Dimension. Häufig werden Kreuzleiden nicht nur von Stress ausgelöst, sondern auch dadurch verstärkt. Probieren Sie es einmal mit Yoga oder autogenem Training. Auch die Progressive Muskelrelaxation ist eine bewährte Methode zur Entspannung. Diese Methoden sind besonders bei subakuten Schmerzen zu empfehlen. In psychotherapeutischen Gesprächen können weitere Ursachen & Lösungen für die Rückenschmerzen gefunden werden.

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Gerald Dorsofit

Über mich

Als Magister der Sportwissenschaften und Personal Trainer, weiß ich um die Wichtigkeit eines gesunden Rückens bestens Bescheid. 


Ich habe selber vorgewölbte Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule und berate meine Besucher mit meinen Erfahrungen rund um Rückenbeschwerden, Rückentraining und ergonomisches Arbeiten