Ischiasschmerzen: Die häufigsten Ursachen, Symptome & was Sie tun können

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Mag. Gerald Bacher

Bei Dorsofit.com erfahren Sie alles über die häufigsten Rücken- und Nackenbeschwerden. Neben Informationen über Ursachen und Symptome erhalten Sie zudem hilfreiche Tipps  zu Prävention, Training und Schmerzbehandlung.

Ischiasschmerzen treten meistens ganz plötzlich auf. Sie werden durch den Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) verursacht, der längste und dickste Nerv des menschlichen Körpers. Die starken Schmerzen ziehen von der Lendenregion über das Gesäß bis in das Bein. In vielen Fällen betreffen sie nur eine Seite und damit auch nur ein Bein.


Dies kann enorme Belastungen für die Betroffenen bedeuten. Welche Ursachen sich für Ischiasschmerzen finden lassen, wie genau sich die Symptome zeigen, und was Sie akut tun können, erfahren Sie hier.

Akuter Hexenschuss

Ischiasschmerzen sind meist intensiv und verlaufen chronisch

Ischiasschmerzen Übersicht

Wie erwähnt, gehen Ischiasschmerzen vom Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) aus. Dieser lässt sich im Rückenmark, zwischen dem vierten Lendenwirbel/Lumbalwirbel und dem zweiten Kreuzbeinwirbel/Sakralwirbel, verorten. Er gehört also zum Areal einer spinalen Nervenwurzel. Von dort aus zieht sich der Ischiasnerv über das Gesäß und den Oberschenkel durch das gesamte Bein bis zum Fuß hindurch. Er ist unser längster und dickster Nerv.


Die Aufgabe des Ischiasnervs ist es, Informationen und Reize (z.B. Temperaturempfindungen) von seinem Gebiet an das Rückenmark zu vermitteln. Dort ausgehend werden Sie an das Gehirn geliefert, wo sie verarbeitet werden können. Zudem übermittelt er Befehle aus dem Gehirn über das Rückenmark und weiter an das Bein. Das betrifft etwa Anweisungen zum Dehnen oder Zusammenziehen unserer Muskeln.

Hexenschuss Lendenwirbelsäule

Ischiasschmerzen betreffen den unteren Rücken

Ischiasschmerzen verlaufen meist chronisch, verschwinden aber häufig innerhalb weniger Tage bis Wochen wieder von selbst. Manchmal treten die Schmerzen schleichend auf, können aber auch wie bei einem Hexenschuss ganz plötzlich auftreten.


Operationen können dann notwendig werden, wenn die Ischiasschmerzen durch einen schweren oder wiederholten Bandscheibenvorfall verursacht wurden, oder wenn es zu Störungen der Blasen- und/oder Darmfunktionen kommt. In den meisten Fällen ist jedoch eine normale Therapie ausreichend.

Ursachen & Symptome von Ischiasschmerzen 

Die sogenannten Ischiasschmerzen ziehen entlang des Nervenstrangs. Darüber hinaus können diese in das Bein ausstrahlenden Schmerzen ein kribbelndes Gefühl verursachen. Hier liegt ein wichtiger Unterschied zum Hexenschuss, der oft ähnliche Symptome aufweist. Doch auch hier entstehen Bewegungseinschränkungen durch die starken Schmerzen. Das Bücken und Drehen des Oberkörpers etwa wird stark erschwert bis unmöglich. Problematisch ist auch das nachfolgende Einnehmen einer seitwärts gekrümmten Schonhaltung.

Hexenschuss Büro

Bei Ischiasschmerzen kommt es meist zu einer seitlich gekrümmten Schonhaltung

Ischiasschmerzen können die Lebensqualität enorm beeinträchtigen – schon das Aufstehen von einem Stuhl kann zur Qual werden. Husten und Niesen können den krampfartigen Schmerz im Rücken, meistens auf einer Seite, verstärken. Weitere Beschwerden sind Gefühlsstörungen, welche sich bis hin zu einer Gefühllosigkeit des betroffenen Bereichs entwickeln können.

Eine gestörte Wahrnehmung von Temperaturreizen kann die Folge sein.


In schweren Fällen sind auch Lähmungen möglich, sowie Schwierigkeiten bei der Blasen- und Darmentleerung. Strahlen die Schmerzen in die Extremitäten aus, dann spricht man von einer Ischialgie bzw. Lumboischialgie (Kombination aus Lumbago und Ischialgie).

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Ischiasschmerzen finden Ihre Ursache meist in Störungen im Bereich des unteren Rückens, in der unteren Lendenwirbelsäule. Schuld kann etwa die Kompression einer Nervenwurzel sein, welche häufig bei Bandscheibenvorfällen, oder einer Bandscheibenprotrusion der Fall ist.


Wenn in diesen Fällen dann Bandscheibengewebe über ein gewisses Niveau heraustritt, wird die Bandscheibe fortschreitend zermürbt (Degeneration). Werden dabei der Ischiasnerv, oder die Nervenwurzeln im Rückenmark eingeklemmt, verursacht dies Schmerzen.

Weitere Ursachen von Ischiasschmerzen

Als weitere Ursachen für Ischiasschmerzen gelten Verspannungen der Muskeln im Bereich der Lendenwirbelsäule oder Blockaden der Wirbelkörper. Davon sind mitunter auch werdende Mütter betroffen – nach der Geburt kann der Schmerz von selbst abklingen, wenn der Druck durch das Ungeborene wegfällt.


Man geht inzwischen außerdem davon aus, dass nicht nur Bandscheibenprobleme Ischiasschmerzen verursachen, sondern vor allem auch überspannte und unnachgiebige Muskeln und Faszien, die an einer bestimmten Stelle auf den Nerv drücken. Eine ausführliche Erklärung dazu finden Sie in diesem Video:

Weiters können die Folgen einer Osteochondrose zu einer Irritation der Nervenwurzeln führen, wenn sich knöcherne Ausziehungen an den Wirbelkörpern (Spondylophyten) bilden. Zudem kann das Piriforis-Syndrom zu einer Ischialgie führen.


Auch Herpes Zoster entlang der Nervenbahnen oder raumgreifende Tumore können Ischiasschmerzen verursachen – allerdings ist dies sehr selten der Fall. Die Beschwerden können auch nach Operationen im Hüftbereich auftreten, wenn starker Druck auf den Ischiasnerv ausgeübt wurde, oder dieser dabei beschädigt wurde.


4 Sofortmaßnahmen bei Ischiasschmerzen

Im Folgenden finden Sie Empfehlungen zur Schmerzbekämpfung und Linderung bei Ischiasschmerzen, sowie Alltagstipps, mit denen Sie zukünftige Leiden vermeiden können:

Tipp #1: Schonen, warmhalten, Physiotherapie

Anders als bei den meisten Rückenschmerzen und Kreuzproblemen, wird bei Ischiasschmerzen empfohlen, gegebenenfalls Bettruhe zu halten.

Wärme bei Rückenbeschwerden

Wärme tut besonders gut bei Rückenbeschwerden

Das von der Ischialgie betroffene Bein sollte hochgelagert werden. Gerade der LWS-Bereich sollte mit Wärme behandelt werden.


Zuhause können Kirschkernkissen oder Wärmflaschen als Wärmequellen dienen. Wärme ist also das A und O bei Ischiasschmerzen. Nach Möglichkeit ist beispielsweise auch Infrarotlicht sehr angenehm und wohltuend.


Nachfolgend sind krankengymnastische Übungen in der Physiotherapie, sowie Massagen zielführend.

Tipp #2: Spezielle Übungen bei Ischiasschmerzen ​

An dieser Stelle finden Sie Übungen, mit denen Sie Ihre Ischiasschmerzen lindern können. Versuchen Sie es etwa mit diesen effektiven Übungen mit einer Faszienrolle. Sehr anschaulich demonstriert auch das folgende Video, wie Sie Ihre Ischiasschmerzen am besten in den Griff bekommen:

Laut Physiotherapeut Michael Preibsch, stellvertretender Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie, ist bei Ischiasschmerzen häufig der Hüftmuskel (Piriformis) verspannt, welcher sich direkt unter dem großen Gesäßmuskel findet. Das Piriformis-Syndrom ist durchaus kein unübliches Problem. Der Physiotherapeut meint:

Bei etwa 20 Prozent aller Menschen verläuft der Ischias-Nerv sogar direkt durch diesen Muskel

Michael Preibsch (Deutscher Verband für Physiotherapeut)

Daher kann es hilfreich sein, genau diesen Muskel gezielt zu dehnen. Damit entlastet man den Ischiasnerv. Eine Dehnungsübung wäre die folgende:

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    Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie Ihr rechtes Bein an
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    Mit der linken Hand greifen Sie jetzt die Außenseite des rechten Knies
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    Nun sanft zur linken Seite ziehen und ablegen. Ihr linkes Bein ist dabei ausgestreckt
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    Strecken Sie den rechten Arm vom Körper weg
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    Den Oberkörper drehen Sie nun sanft nach rechts Richtung Boden auf
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    Ihre beiden Schultern bleiben währenddessen die ganze Zeit am Boden
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    Verweilen Sie so und atmen Sie ruhig. Danach können Sie die Seite wechseln

Tipp #3: Alternativübungen mit der Akupressurmatte

Eine alternative Methode zur Schmerzlinderung bei akuten Ischiasschmerzen wäre etwa die Behandlung bzw. Akupunktur mit einer sogenannten Akupressurmatte. Akupunktur ist eine altbewährte Therapiemethode der traditionellen chinesischen Medizin. Sie wird häufig beim Hexenschuss eingesetzt, kann aber auch Isschiasschmerzen lindern. Die folgenden Übungen führen Sie am besten unbekleidet auf einer speziellen Matte aus:


  • Übung #1: legen Sie sich mit dem unteren Rücken auf die Akupressurmatte. Winkeln Sie Ihre Beine an, damit der richtige Druck auf die Region des Lendenwirbelbereichs entstehen kann. Ist das Scherzempfinden gesteigert, dann können Sie auch noch eine Yogamatte unter die Akupressurmatte legen. Bleiben Sie einfach 10-15 Minuten in dieser Position liegen.


  • Übung #2: hierbei handelt es sich um eine sehr ähnliche Variante der gerade genannten Übung. Nur legen Sie sich hier seitlich auf die Matte und winkeln die Beine dabei im 90° Winkel an. Bleiben Sie auch hier 10-15 Minuten lang in dieser Position. Sie können bei Bedarf auch die Seite wechseln. Möchten Sie die Übung steigern, um mehr Druck auf den Beckenbereich zu bekommen, dann können Sie den Oberkörper anheben und sich mit dem Ellenbogen abstützen.

Tipp #4: Übungen gegen Verspannungen im unteren Rücken

Abschließend finden Sie hier noch weitere Übungen, die gegen Ischiasschmerzen helfen:


Übung #1: Lendenwirbel-Becken-Kipp 

Stellen Sie sich gerade hin, die Füße schulterbreit auseinander, die Arme können Sie entspannt herunterhängen lassen. Wenn Sie möchten, winkeln Sie die Knie ganz leicht an. Versuchen Sie nun das Hauptgewicht auf den Fersen zu halten. In dieser Position vermeiden Sie Überlastungen und Schmerzen. Atmen Sie nun langsam ein – dabei geben Sie den Beckenkamm etwas nach hinten – beim Ausatmen drücken Sie ihn wieder nach vorne. Für 30-60 Sekunden wiederholen und mehrmals täglich ausführen.


Wichtig: Beim Ausatmen ist die Wirbelsäule gerade, beim Einatmen rundet sie sich. Achten Sie darauf,  diese Übung langsam und vorsichtig mit fließenden Bewegungen auszuführen. Vermeiden Sie abrupte Bewegungen und dehnen Sie Ihren Rücken beim Einatmen auch nicht ganz raus!


Übung #2: Dehnen mit Händen über dem Kopf

Stellen Sie sich gerade hin. Beim Einatmen Hände über den Kopf und zusammenfalten. Beim Ausatmen kippen Sie ganz langsam zur linken Seite. Atmen Sie langsam wieder ein und bewegen Sie Ihren Oberkörper wieder zur Mitte. Dieses Mal kippen Sie beim Ausatmen zur rechten Seite. Ruhig 5-10 Mal wiederholen.


Achtung: gehen Sie nur so weit, wie es sich noch gut anfühlt und die Schmerzen nicht verstärkt werden. Dann können Sie Ihre kleinen Rückenmuskeln rund um die Wirbel herum sehr gut entspannen und stärken. Auch Wirbeleinrenkungen sind so möglich.


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Gerald Dorsofit

Über mich

Als Magister der Sportwissenschaften und Personal Trainer, weiß ich um die Wichtigkeit eines gesunden Rückens bestens Bescheid. 


Ich habe selber vorgewölbte Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule und berate meine Besucher mit meinen Erfahrungen rund um Rückenbeschwerden, Rückentraining und ergonomisches Arbeiten