HWS-Syndrom: Ursachen, Symptome & was Sie tun können

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Mag. Gerald Bacher

Bei Dorsofit.com erfahren Sie alles über die häufigsten Rücken- und Nackenbeschwerden. Neben Informationen über Ursachen und Symptome erhalten Sie zudem hilfreiche Tipps  zu Prävention, Training und Schmerzbehandlung.

Unter das Halswirbelsyndrom (HWS-Syndrom) fallen alle Schmerzen im Nacken-, Schulter-, und Armbereich. Betroffene leiden dabei unter den verschiedensten Symptomen, von Schmerzen, und Missempfindungen bis hin zu Funktionsstörungen. Beim HWS-Syndrom verringert sich die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die Wirbelkörper rücken auf die Nervenwurzeln und behindern so die Blutzufuhr. Lesen Sie hier welche Ursachen bekannt sind, welche Symptome es gibt und was Sie gegen die Schmerzen tun können.

HWS Syndrom

Beim HWS-Syndrom kommt es zu starken Schmerzen im Nackenbereich!

Das HWS-Syndrom

Als HWS-Syndrom oder auch Zervikalsyndrom werden gemeinhin Beschwerden bezeichnet, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten, beziehungsweise welche von dort ausgehen. Die Bezeichnung „Syndrom“ macht hier Sinn, da man von einer Gruppe von Symptomen ausgeht, die gleichzeitig auftreten.


Es handelt sich beim HWS-Syndrom also nicht um eine „Krankheit“, womit man medizinisch die Störung einer Organfunktion, der Psyche, oder des gesamten Organismus meint. Mit HWS-Syndrom meint man vielmehr alle Schmerzen und Beschwerden, die vom Nacken-, Schulter-, und Armbereich ausgehen.

 

Insgesamt besteht unsere Halswirbelsäule aus sieben Halswirbeln (Zervikalwirbel), zwischen der Kopf- und Brustwirbelsäule, welche dazwischen jeweils eine Bandscheibe aufweisen. Diese wird täglich stark beansprucht, meist auch durch Dauerbelastungen im Alltag und Beruf.

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Die HWS umfasst den oberen Teil des Rückens und ermöglicht uns eine Vielzahl an Bewegungen, wie etwa Beugung und Streckung, Drehungen und seitliche Neigung. Beim HWS-Syndrom können diese Funktionen durch Bewegungseinschränkungen gestört werden.


Eine wichtige Rolle spielt auch die Einteilung des HWS-Syndroms je nach Dauer der Leiden in akute Beschwerden und chronische Beschwerden. Außerdem wird der genaue Bereich der HWS bestimmt – es kann sich also um ein oberes (HWK 1 oder 2), mittleres (HWK 3, 4 oder 5), oder unteres HWS-Syndrom (HWK 6, 7 oder 8) handeln.


Zudem spielt die Schmerzausstrahlung eine Rolle – man unterscheidet zwischen einem lokalen, pseudoradikulären, und radikulären HWS-Syndrom. Die Ursachen lassen sich meist in funktionell (Fehlhaltung), degenerativ (Verschleiß) und posttraumatisch (Unfälle) einteilen.

Ursachen & Symptome eines HWS-Syndroms

HWS-Symptom Beschwerden

Vor allem eine falsche Haltung kann zu Verspannungen führen.

Als mögliche Ursachen des HWS-Syndroms sind unter anderem Verspannungen und Verhärtungen zu sehen. Eine verspannte Muskulatur wird in den meisten Fällen durch eine Fehlhaltung, langes Sitzen, eine einseitige Körperhaltung, Bewegungsmangel, sowie Stress verursacht.


Doch wie bei den meisten Nacken- und Rückenbeschwerden kann eine Vielzahl von Ursachen schuld an den Schmerzen sein. Auch etwa degenerative Veränderungen sind möglich: es kann dabei zu verschleiß-, und damit altersabhängigen Veränderungen an den Bandscheiben und Wirbeln kommen.

Zudem kommen posttraumatische Ursachen in Frage. Damit sind Verletzungen und Unfälle der HWS gemeint, wie etwa ein Schleudertrauma. Auch ein sogenanntes Facetten-Syndrom kann schuld sein – dabei entzünden sich die Facettengelenke der Wirbel. Auch andere entzündliche Erkrankungen wie Rheuma können ein HWS-Syndrom auslösen, sowie Erkrankungen der Knochen (Osteoporose). Als letzte Ursache sollten blockierte Wirbelgelenke erwähnt werden. Dabei kommt es in den meisten Fällen zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.  

Symptome eines HWS-Syndroms

Typische Symptome eines HWS-Syndroms sind Kopfschmerzen, speziell auch am Hinterkopf, ein verspannter Nacken und schmerzende Schultern. Auch Bewegungseinschränkungen von Kopf und Nacken können auftreten. Zudem sind Schwindelgefühl und Übelkeit möglich. Die auftretenden Nackenschmerzen strahlen mitunter auch in die Schultern und Arme aus. Auch Schulter- und Armbeschwerden (häufig Schulterschmerzen) können also zu den Symptomen eines HWS-Syndroms zählen.


Wichtig zu wissen ist auch, dass im Bereich der HWS viele Nerven abgehen – daher sind bei einem HWS-Syndrom auch neurologische Beschwerden eine Möglichkeit. Dazu gehört zum Beispiel ein Taubheitsgefühl, oder auch ein Kribbeln in den Händen. Auch Ohrensausen oder ein Tinnitus können auftreten. Ein weiteres mögliches Symptom ist Augenflimmern.


Doch Sie sollten wissen, dass nicht alle Betroffenen immer an allen diesen Symptomen leiden. Der behandelnde Arzt kann aufgrund Ihrer Beschwerden am besten feststellen, welcher Bereich der HWS genau betroffen ist. Ein Beispiel: bei Kopfschmerzen ist es meist der obere Bereich, Schulterschmerzen kommen meistens vom unteren Bereich der HWS. Folgeerkrankungen des HWS-Syndroms sind selten – mehr dazu erfahren Sie hier.


4 Sofortmaßnahmen bei einem HWS-Syndrom

Wenn Sie akut etwas gegen Ihre Schmerzen tun möchten, dann finden Sie hier 4 Möglichkeiten zur Schmerzlinderung. Außerdem verraten wir Ihnen Informationen zur Behandlung eines HWS-Syndroms, sowie weitere Tipps:

1. Behandlung bei einem HWS-Syndrom

Normalerweise sind die drei Pfeiler manuelle Therapie, Wärme-Behandlung, und Medikamente die typischen Behandlungsmöglichkeiten bei einem HWS-Syndrom. Wenn Sie eine manuelle Therapie verschrieben bekommen, gehören dazu meist eine Physiotherapie (Krankengymnastik), sowie eine Chirotherapie. Damit lösen Sie die Verspannungen und Blockaden und kräftigen gleichzeitig Ihre Muskulatur. Auch die Rückenschule für einen rückenfreundlichen Alltag wird empfohlen.

HWS Syndrom Behandlung

Am besten konsultiert man ehestmöglich einen Spezialisten

Wärme kann in Form einer sogenannten Thermotherapie (Rotlicht, erwärmte Kissen/Kompressen) ebenfalls dabei helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Schmerzen bei einem HWS-Syndrom zu lindern.


Ärzte verschreiben zudem in bestimmten Fällen auch muskelentspannende und schmerzlindernde Medikamente. Dazu gehören etwa Paracetamol, Flupirtin, Tramadol, oder Tilidin/Naloxon. Auch NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen werden eingesetzt. Zu den Muskelrelaxanzien gehören mitunter Methocarbamol, Tolperison und Orphenadrinicitrat. Die individuell beste Behandlung eines HWS-Syndroms sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt ab.

2. Bewegung zur Linderung und Vorbeugung

Theraband Übungen Nacken

Bewegung ist das perfekte Mittel bei Verspannungen

Wenn Sie einem weiteren HWS-Syndrom vorbeugen möchten, sollten Sie unbedingt regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag integrieren. Sehr häufig kann ein HWS-Syndrom mit einer optimierten Lebensweise verhindert werden. Langes Sitzen und Bewegungsmangel gehören zu den größten Risiken für unsere Rückengesundheit.


Gerade Bürojobs erfordern einen Ausgleich durch sportliche Aktivitäten oder zumindest regelmäßige Bewegungspausen. Auch spezieller Sport für Senioren ist selbstverständlich möglich und wichtig.

Wichtig: früher wurde häufig auch eine Halskrawatte zur Ruhigstellung und Entlastung verschrieben, doch heute wird diese Methode nur noch sehr selten genutzt, besonders beim akuten HWS-Syndrom. Wenn, dann sollte sie nur kurz eingesetzt werden, damit Ihre Muskulatur nicht noch weiter geschwächt wird.


3. Übungen gegen Schmerzen beim HWS-Syndrom

Wir haben Ihnen ein paar hilfreiche Übungen zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Beschwerden lindern, oder sogar ganz loswerden können. Viele davon sind allerdings vor allem auch zur Prophylaxe gedacht – bei vorhandenen Rückenschmerzen sollten Sie also bitte zusätzlich einen Arzt konsultieren. Hier kommen 7 Top-Übungen:

Unterarmstütz Rückenübung

Stützübungen sind tolle Stabilisationsübungen für den Rücken- und Nackenbereich

Übung 1: Bauchlage

Stärken Sie Ihre Rückenmuskulatur mit dieser Übung. Machen Sie dazu Folgendes: Sie legen sich flach auf den Bauch, mit Ihren Armen nach vorne ausgestreckt. Ihre Stirn liegt dabei auf einer Matte auf. Nun stellen Sie die Fußspitzen auf und spannen dabei die Bauch- und Gesäßmuskulatur an. Beim Ausatmen können Sie die Arme und Beine langsam ausstrecken und anheben – halten Sie die Spannung kurz an. Atmen Sie nun aus und senken Sie Ihre Arme und Beine langsam wieder ab. Wichtig: Ihr Bauch und Ihr Becken bleiben während der ganzen Übung auf der Matte.

 

Übung 2: Vierfüßlerstand

Diese einfache Übung ist gut für Ihre Gesäß- und Rückenmuskulatur. So führen Sie die Übung aus: begeben Sie sich in die Grundstellung, den Vierfüßlerstand – dafür stützen Sie sich auf Ihre Knie und Hände und spannen die Bauchmuskeln an. Ihre Wirbelsäule ist dabei ganz gerade. Atmen Sie nun aus und strecken Sie dabei ein Bein gerade nach hinten. Die Fußspitzen ziehen Sie an, die Fersen werden nach hinten gedrückt. Atmen Sie ein und führen Sie das Bein wieder in die Grundstellung zurück.


Übung 3: Crunches

Crunches sind bekanntlich super für die Bauchmuskulatur, welche natürlich auch wichtig für die Rückengesundheit ist. Für die Übung machen Sie Folgendes: legen Sie sich auf den Rücken, stellen Sie die Beine auf, Bauch- und Gesäßmuskeln spannen Sie an. Drücken Sie Ihre Lendenwirbelsäule dabei flach auf den Boden. Nun strecken Sie Ihre Arme Richtung Knie. Heben Sie Kopf und Schultern beim Ausatmen langsam an und halten Sie die Spannung für einen Moment lang. Nun atmen Sie langsam ein und rollen Ihren Oberkörper Wirbel für Wirbel ab. Wichtig: Ihre LWS bleibt währenddessen immer am Boden. Hier geht's zur genauen Erklärung im Video:

Übung 4: Gymnastikball

Mit dieser Übung können Sie die untere und obere Rückenmuskulatur gleichzeitig trainieren. Dazu brauchen Sie einen Gymnastikball: mit dem Oberkörper legen Sie sich nun auf den Ball und richten Ihren Blick dabei Richtung Boden. Strecken Sie Ihre Beine durch und berühren Sie den Boden mit den Fußspitzen. Wichtig: Ihr Rücken bleibt gerade und gestreckt – halten Sie die Körperspannung. Ihre Arme sind seitlich am Ball. Jetzt strecken Sie Ihren linken Arm nach vorne, den rechten nach hinten. Anschließend wechseln Sie die Arme, Ihr rechter Arm wird nach vorne gestreckt, Ihr linker Arm nach hinten.


Übung 5: Dehnübung I

Wenn Sie Ihre Halswirbelsäule zusätzlich dehnen möchten, ist diese einfache Übung ideal. Dafür machen Sie Folgendes: Sie setzen sich aufrecht hin. Dann drehen Sie den Kopf sanft nach links und nicken mehrmals. Machen Sie das Gleiche auf der rechten Seite – Kopf nach rechts drehen und mehrmals nicken.


Übung 6: Dehnübung II

Diese Übung kräftigt Ihren Nacken. Sie funktioniert so: legen Sie eine Hand auf Ihre Stirn und drücken Sie (mit gestrecktem Nacken!) zehn Sekunden lang dagegen. Lassen Sie locker und wiederholen Sie die Übung.


Übung 7: Dehnübung III

Auch mit dieser Übung dehnen Sie Ihren Nacken. Dafür machen Sie dies: neigen Sie Ihren Kopf nach rechts und greifen Sie mit der rechten Hand über den Kopf, um sie auf die linke Schläfe zu legen. Versuchen Sie jetzt, Ihren Kopf noch weiter nach rechts zu neigen – aber nur so weit, wie es Ihnen schmerzfrei gelingt. Die Dehnung sollte in der linken Nackenmuskulatur spürbar sein. Halten Sie diese Position auf jeder Seite für 30 Sekunden.


4. Tipps für eine gute Körperhaltung

Der beste Weg, um Ihre Schmerzen loszuwerden, ist eine aufrechte Haltung, sowie ein kräftiger Rücken. Häufig kann ein Besuch der Rückenschule weiterhelfen – Sie lernen, eine gesunde Körperhaltung ganz automatisch einzunehmen und finden heraus, wie Sie Ihre Rückenmuskulatur am besten trainieren können. Ansonsten helfen diese Tipps weiter, um anglerente Bewegungsmuster loszuwerden:

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    Aufrecht und gerade stehen
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    Schultern breit und entspannt halten
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    Becken und Kopf aufrichten
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    Kopf, Schultern, Becken, Hüften, Knie und Füße nicht verdrehen
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    Oberschenkel leicht nach außen drehen
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    Wirbelsäule langgestreckt, Nacken locker halten
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    Knie zeigen nach vorne, Füße stehen v-förmig

Überprüfen Sie sich täglich selbst: begünstigt Ihre Haltung „verdrehte“ Gelenke und überdehnte Muskeln? Oder schaffen Sie es Großteils, eine rückenschonende Haltung einzunehmen? Achten Sie bei all Ihren Tätigkeiten darauf, wie Sie sich und Gegenstände halten und heben, beim Zähneputzen oder Kochen, aber auch beim Heben und Tragen.

Gerald Dorsofit

Über mich

Als Magister der Sportwissenschaften und Personal Trainer, weiß ich um die Wichtigkeit eines gesunden Rückens bestens Bescheid. 


Ich habe selber vorgewölbte Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule und berate meine Besucher mit meinen Erfahrungen rund um Rückenbeschwerden, Rückentraining und ergonomisches Arbeiten