Bandscheibenvorfall HWS: Ursachen, Symptome & was Sie tun können

Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule sind eigentlich selten – doch sie können durchaus auftreten und starke Schmerzen zur Folge haben. So ein zervikaler Bandscheibenvorfall betrifft ungefähr 10% aller Prolapse. Lesen Sie hier, wo die Ursachen & Symptome eines HWS Bandscheibenvorfalls liegen, und was Sie bei akuten Schmerzen konkret tun können.

HWS-Bandscheibenvorfall: Entstehung

Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Wirbelsäulenabschnitt des Menschen. Doch auch hier können die Bandscheiben aus ihrer Position hervortreten und so die typischen Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls (Diskusprolaps) hervorrufen.

Der gallertartige Kern (Nucleus pulposus) im Inneren ist von einem Faserknorpelring (Anulus fibrosus) umgeben. Wenn dieser Ring spröde wird, sinkt auch die Beweglichkeit der Bandscheibe.

Bekommt dieser dann Risse, kann es passieren, dass sich der Gallertkern nach außen vorwölbt – das nennt man dann eine Protrusion.

Zu einem Bandscheibenvorfall kommt es dann, wenn der Gallertkern durch den Faserring hindurchbricht und dieser ganz oder teilweise durchreißt. Auch beim zervikalen Bandscheibenvorfall ist dies der Fall.

HWS-Bandscheibenvorfall: Ursachen

Es ist ganz normal, dass unsere Bandscheiben ab dem 30. Lebensjahr an Elastizität verlieren – Schuld ist ein natürlicher Flüssigkeitsmangel. Die Folge: auch der Zwischenwirbelraum wird schmäler.

Diese Abnutzungserscheinungen werden besonders verstärkt durch einseitige Belastungen und alltägliche Fehlhaltungen bei viel und falschem Sitzen, sowie das Tragen von schweren Lasten. Auch Übergewicht spielt hier natürlich eine große Rolle. In manchen Fällen können auch die Gene eine Ursache sein.

Doch in den allermeisten Fällen ist das Problem eine vorhergehende Schädigung der Bandscheibe. Unsere Wirbelsäule wird dazu gezwungen, eine Fehlhaltung einzunehmen und die kleinen Wirbelgelenke werden dabei fehlbelastet – bis sie irgendwann überlastet sind.

Aus diesem Grund sind Menschen mit einer schwachen Rückenmuskulatur besonders gefährdet. Auch Rauchen ist ein Risikofaktor, ebenso wie eine Schwangerschaft.

Abnutzungen wie eine Bandscheibenverschmälerung, eine Arthrose der Wirbelgelenke und auch eine Fehlhaltung, lassen sich röntgenologisch sehr gut erkennen. Mit MRT-, oder CT-Verfahren lässt sich dann ein HWS Bandscheibenvorfall bestimmen.

Es kann sich nämlich im Falle auch um ein Zervikalsyndrom handeln das oft chronische Nacken- und Schulterschmerzen (siehe HWS-Syndrom) mit sich bringt.

Solche Vorbelastungen werden gerade dann fatal, wenn es etwa zu einem „Zweitschlag“ kommt. Das kann ein schwerer Unfall sein, oder aber, wie in sehr vielen Fällen, nur eine kleine falsche oder unbedachte Bewegung.

Typische Symptome

Wird ein HWS Bandscheibenvorfall ausgelöst, dann drückt der durchgebrochene Gallertkern meist auf eine Nervenwurzel – dadurch entstehen die starken Schmerzen, welche die Betroffenen in der Folge sehr belasten können.

Diese akuten Schmerzen sind häufig auch begleitet von einem Taubheitsgefühl und/oder Lähmungserscheinungen. Die Beschwerden werden als stark bis beinahe unerträglich wahrgenommen. Das große Problem dabei ist das Einnehmen einer Schonhaltung, da die Bewegung stark eingeschränkt ist.

Bandscheibenvorfall HWS

Oft strahlen die Schmerzen in den Hinterkopf aus.

An der betroffenen Stelle ist die Muskulatur stark angespannt und strahlt die Schmerzen von dort aus diffus aus. Beim Husten, Niesen, oder anderweitigen Pressen verstärken sich die Beschwerden. Bei ausstrahlenden Schmerzen in die Arme und Hände kann es sich auch um Brachialgie handeln.

In manchen Fällen kann ein BSP allerdings auch schmerzfrei und unbemerkt passieren, weil keine Nerven betroffen sind. Dann geben erst bildgebende Verfahren Aufschluss darüber, ob ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule besteht oder nicht.

Wir empfehlen definitiv eine ärztliche Absprache, vor allem dann, wenn starke Schmerzen nach über einer Woche noch nicht von selbst wieder verschwunden sind!

Tipps bei einem HWS-Bandscheibenvorfall

Möchten Sie akute Schmerzen nach einem HWS Bandscheibenvorfall lindern, dann könnten Ihnen die folgenden Tipps weiterhelfen:

Tipp #1: Stufenbettlagerung

Bandscheiben Therapie

Die richtige Therapie ist bei einem Bandscheibenvorfall entscheidend

Der wichtigste Schritt nach einem Bandscheibenvorfall ist die Entlastung des Rückens. Indem Sie den eingeklemmten Nerv entlasten, können Sie Ihre Schmerzen lindern. Viele Ärzte empfehlen dafür die sogenannte Stufenbettlagerung.

Diese führen Sie am besten aus, indem Sie sich flach auf den Rücken legen, etwa auf eine harte Matratze. Dann lagern Sie Ihre Unterschenkel im rechten Winkel auf ein dickes Kissen oder einen Würfel.

Sorgen Sie allerdings dafür, nicht zu lange in der Bettruhe zu bleiben – dies wird keinesfalls empfohlen.

Tipp #2: Wärme als Akuthilfe

Auch dem Nacken tut Wärme gut – sie kann zumindest Verspannungsschmerzen sehr gut lindern und auch bei einem HWS-Prolaps kann das im Fall helfen.

Häufig verschreiben Ärzte effektive Wärme-Therapien, mit denen Sie Beschwerden bekämpfen können. Denn Wärme fördert die Durchblutung, indem sie die Blutgefäße weitstellt.

Dadurch wird auch der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen in de Zellen des Muskelgewebes gesteigert – und genau dies ist notwendig, um den Selbstheilungsprozess zu unterstützen.

Auch Abfallprodukte werden auf diese Weise besser abtransportiert. Die bessere Durchblutung hat also auch eine Entspannung und Schmerzlinderung der verkrampften Muskulatur zur Folge – auch die Flexibilität kann so wieder besser gelingen. Hier finden Sie genauere Informationen dazu.

Tipp #3: Übung gegen Nackenschmerzen

Sprechen Sie bitte unbedingt vorher mit einem Arzt ab, ob diese Übung für Sie geeignet ist. Falls ja, dann können Sie etwa mit der folgenden Rückenübung gegen Nackenschmerzen vorgehen:

✓ Positionieren Sie sich mit aufgestellten Beinen in der Rückenlage
✓ ​Ihre Hände liegen entspannt auf dem Bauch
✓ ​Ziehen Sie das Kinn in Richtung Kehlkopf und heben den Kopf etwa 5cm nach oben
​✓ Bleiben Sie für 10 Sekunden lang in dieser Haltung
​✓ Nun können Sie den Kopf entspannt ablegen
✓ Nehmen Sie sich 20 Sekunden Zeit, um zu entspannen
✓ Danach können Sie die Übung 5 x wiederholen

Mit dieser Übung kräftigen Sie die Halsmuskulatur und reduzieren so auch den Kopfschmerz, der sich durch Nackenverspannungen ergeben kann. Das Video zeigt Ihnen genau, wie die Übung aussehen soll.

Tipp #4: Übung für Flexibilität in Schulter & Nacken

Auch bei dieser Übung gilt: bitte immer vorher mit einem Arzt absprechen. Möchten Sie dem Verschleiß im Schulter- und Nackenbereich entgegenwirken, dann kann diese Übung weiterhelfen. Sie kräftigt verschleißartige Sehnen, verbessert Ihre Schulterbeweglichkeit und fördert die Aufrichtung des Schulter-Nacken-Bereichs:

Für ein besseres Verständnis, sehen Sie sich die genaue Vorgehensweise einfach mehrere Male im Video an. So führen Sie die Übung perfekt aus:

✓ Legen Sie sich in die Seitenlage (rechte Seite auf Boden)
​✓ Ihr linker Ellenbogen bleibt im 90 Grad Winkel gebeugt
​✓ Nehmen Sie ein Gewicht in die linke Hand (z.B. eine volle Wasserflasche)
​✓ Ihren linken Unterarm führen Sie weg vom Boden nach hinten oben
✓ ​Nun können Sie den Arm langsam wieder in die Ausgangsposition zurückführen
✓ Pro Seite sollten Sie 3 x 12 Wiederholungen dieser Übung machen

Solche Übungen zur Stärkung Ihrer Rückenmuskulatur sind generell ideal, um einem weiteren HWS-Bandscheibenvorfall entgegenzuwirken. Um die Nackenmuskulatur zusätzlich zu mobilisieren, ist auch diese Übung sehr hilfreich.

Tipp #5: Bewegung statt Schonhaltung

Auch gegen bestehende Schmerzen ist das beste Heilmittel regelmäßige Bewegung.  Denn auch wenn es wehtut – eine Schonhaltung verstärkt die Probleme am Ende nur.

Muskelgewebe, das nicht bewegt wird, kann nicht gut genug durchblutet werden und bekommt so weniger Sauerstoff und Nährstoffe.

Durch Bewegung wird dieser Kreis durchbrochen und Sie können einer erneuten Verhärtung der Muskulatur vorbeugen. Sehr empfehlenswert ist also eine leichte Art der Bewegung.

Sanfte Dehnübungen sind ideal, ebenso Schwimmen oder Radfahren, sowie Spazieren. Auch Nordic Walking eignet sich. Sorgen Sie mit diesen Tipps für einen gesunden Rücken im Alltag!

Tipp #6: Therapie

Nackenverspannung Therapie

Eine Therapie kann wahre Wunder wirken!

Wenn die Schmerzen nach dem HWS-Prolaps nicht von selbst wieder weggehen, dann hilft meist eine konservative Therapie weiter. Sie erhalten schmerzlindernde Medikamente und Anleitungen zu Lagerungsmaßnahmen.

Eine Physiotherapie kann in den meisten Fällen Abhilfe schaffen. Bei 90% der Betroffenen hilft diese in Kombination mit einer medikamentösen Therapie. Ist eine Operation notwendig, dann gibt es mittlerweile minimal invasive Verfahren dafür – doch dies ist selten der Fall.

Häufig verschwinden die Schmerzen nach einem HWS Bandscheibenvorfall nach einigen Wochen ganz von selbst.