Bandscheibenvorwölbung: Ursachen, Symptome & was Sie tun können

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Mag. Gerald Bacher

Bei Dorsofit.com erfahren Sie alles über die häufigsten Rücken- und Nackenbeschwerden. Neben Informationen über Ursachen und Symptome erhalten Sie zudem hilfreiche Tipps  zu Prävention, Training und Schmerzbehandlung.

Eine Bandscheibenvorwölbung, auch Bandscheibenprotrusion genannt, ist die Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Dabei wölbt sich der Faserring der Bandscheibe in Richtung des Wirbelkanals – im Unterschied zum Prolaps reißt dieser allerdings nicht. Auch der Gallertkern der Bandscheibe tritt nicht aus.

Bandscheibenvorwölbung

Eine Bandscheibenvorwölbung verursacht sogar im Sitzen große Schmerzen

Daher wird eine Protrusion auch als inkompletter Bandscheibenvorfall bezeichnet. In schweren Fällen kommt es zu einem starken Schmerz, der auch in die Beine ausstrahlen kann oder die Arme betrifft. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Sofortmaßnahmen bei einer Bandscheibenvorwölbung finden Sie hier.

Bandscheibenprotusion: Charakteristik

Unsere Wirbelsäule ist das zentrale Stützsystem des Körpers und schützt zudem das Rückenmark. Wir benötigen sie für fast alle Bewegungen des Köpers. Doch gerade auch die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern spielen eine wichtige Rolle – sie sind die Puffer zwischen den Wirbeln und bestehen aus einem weichen Gallertkern (Nukleus pulposus), sowie einem umgebenden Faserknorpelring.


Wenn die Muskeln, Bänder und Gelenkkapseln es aber nicht länger schaffen, die Wirbelsäule bei Belastung genügend zu stützen, dann kann es zu einer Bandscheibenprotrusion kommen. Dabei wird der geschwächte Faserring vom Gallertkern nach außen gewölbt. Ist die Krafteinwirkung also zu groß, weichen die Bandscheiben aus ihrer Position heraus oder nehmen Schaden. Wirbelexperten wissen:

Eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall entstehen immer dann, wenn ein Missverhältnis zwischen Belastung, Körperstatik und Stabilisierung der Wirbelsäule besteht. Wer diese Faktoren wieder in ein ausgewogenes Gleichgewicht bringt, vermeidet auch langfristig Beschwerden im Rücken

Quelle: schoen-kliniken.de

Auftreten kann eine Bandscheibenvorwölbung etwa in der Brustwirbelsäule (BWS) und eher selten auch in der Halswirbelsäule (HWS). Doch am häufigsten betroffen ist die Lendenwirbelsäule (LWS) zwischen dem vierten und dem fünften Wirbelkörper (L4/L5). Es kann sich zudem ebenso um die Bandscheibe zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Kreuzbeinwirbel handeln.

Ursachen & Symptome einer Bandscheibenvorwölbung

Hexenschuss Lendenwirbelsäule

Eine Bandscheibenvorwölbung betrifft meist die Lendenwirbelsäule

Die Ursachen für eine Bandscheibenprotrusion lassen sich vor allem bei degenerativen Strukturveränderungen im Bereich des Faserrings finden. Diese werden verursacht durch eine schlechte Körperhaltung, Übergewicht, sowie ungünstiges Tragen und Heben von schweren Lasten.


Auch eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche kann für eine Bandscheibenvorwölbung verantwortlich sein. Die mangelnde Ernährung des Gewebes begünstigt eine schleichende Degeneration deutlich. 

In anderen Fällen kann ein Unfall die Ursache sein, oder eine ungewohnte Bewegung, etwa durch eine neue Sportart. 

Zudem vermindert sich mit dem Alter natürlicherweise die Fähigkeit des Gallertkerns, Wasser zu speichern. Dieser Prozess beginnt schon etwa ab dem 20. Lebensjahr. Die Folge davon: die Bandscheiben werden spröde und können weniger Belastung aushalten.


Es gibt verschiedene schmerzhafte Symptome, die bei einer Bandscheibenvorwölbung auftreten können. Je nach Lage und Schwere der Protrusion, treten Beschwerden in verschiedenen Körperregionen auf. Es kann jedoch auch vorkommen, dass überhaupt keine Schmerzen auftreten und die Bandscheibenvorwölbung unbemerkt bleibt. Ist die Vorwölbung zu gering, um die Nervenwurzeln des Rückenmarks zu beschädigen, kann dies der Fall sein. Das trifft sogar auf einen Bandscheibenvorfall zu.

Therapie Hexenschuss

Therapeutische Maßnahmen sind zur Behandlung einer Bandscheibenprotusion meist ausreichend

Eine schmerzhafte Bandscheibenprotrusion verursacht Schmerzen im betroffenen Wirbelsegment. Tritt eine Protrusion im Bereich der LWS auf, dann finden sich die Beschwerden meist im Hüftbereich, können jedoch auch auf die Beine ausstrahlen. Die Schmerzen ähneln denen eines Hexenschusses, doch hier spielt auch er Ischiasnerv mit. Ist die HWS betroffen, treten Schmerzen in den Schultern auf, die auch auf die Arme ausstrahlen können.


Auch Kopfschmerzen, oft im Hinterkopf, sind typische Symptome. Kribbeln oder Sensibilitätsstörungen können ebenso auftreten. In schweren Fällen treten Gefühlsausfälle auf. Häufig verschlimmern sich die Symptome durch Niesen oder Husten.

Im Unterschied zu einem Bandscheibenvorfall, bei dem in schweren Fällen eine Operation notwendig sein kann, muss eine Bandscheibenvorwölbung nicht operativ behandelt werden.


Eine konservative Therapie sollte hier in den meisten Fällen völlig ausreichend sein. Mehr dazu lesen Sie gleich weiter unten bei unseren folgenden fünf Sofortmaßnahmen.


5 Sofortmaßnahmen bei einer Bandscheibenprotusion

Abschließend finden Sie hier unsere 5 Sofortmaßnahmen bei einer schmerzhaften Bandscheibenvorwölbung. Besprechen Sie diese Empfehlungen, vor allem die angeführten Übungen, bitte vorher immer mit einem Arzt:

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1. Stabilisierung

Der wichtigste Schritt nach einer Bandscheibenprotrusion ist neben der Schmerzlinderung die Stabilisierung des Rückens. Meist werden vom behandelnden Arzt krankengymnastische Übungen, sowie ein Muskelaufbautraining verschrieben, auch die sogenannte Rückenschule gehört zur konservativen Therapie nach einer Bandscheibenvorwölbung dazu. Ihnen wird gewiss eine Form der Physiotherapie empfohlen, um die Schmerzen zu bekämpfen.


Außerdem wird regelmäßiger Sport empfohlen, um einer erneuten Protrusion vorzubeugen. Meist werden Bewegungsarten wie Schwimmen, Joggen, oder auch ein spezielles Rückentraining im Fitnessstudio empfohlen. Momentan gilt Nordic Walking als besonders schonender Ausdauersport. Es ist besonders wichtig, dass Sie sich regelmäßig bewegen, auch nach der Genesung. Bettruhe wird generell nicht empfohlen – sie kann sich sogar negativ auswirken.

2. Ergonomisch arbeiten

Ergonomischer Bürostuhl

Besorgen Sie sich einen ergonomischen Bürostuhl für Ihre Bedürfnisse.

Gönnen Sie sich eine professionelle Ergonomie-Beratung für Ihren Arbeitsplatz. Wenn auch Sie einen Beruf ausüben, bei dem Sie entweder sehr viel sitzen, oder auch Handwerks-oder Bauarbeiten ausführen, dann ist Ihre Wirbelsäule sehr wahrscheinlich regelmäßigen Fehlbelastungen ausgesetzt.


Damit steigt auch das Risiko einer Bandscheibenvorwölbung – und in der Folge eines Bandscheibenvorfalls. Diese können zwar heutzutage meist ebenfalls ohne Operation behandelt werden – doch Prävention ist gewiss die beste Lösung.

Nutzen Sie daher die Möglichkeit, Ihr Arbeitsumfeld möglichst rückenfreundlich einzurichten. Beratungen dieser Art werden von verschiedensten Anbietern geboten, etwa auch von bestimmten, spezialisierten Kliniken. Sie unterstützen beispielsweise bei der korrekten Einstellung der Bildschirmhöhe oder zeigen günstigere Arbeitspositionen und bessere Stuhlsysteme auf.


3. Gezielte Übungen

Hier finden Sie zusätzlich exzellente Übungen, mit denen Sie Ihre Rückengesundheit verbessern können. Versuchen Sie es auch etwa mit den folgenden Rückenübungen: Krauler, Hacker, Katzenbuckel, leichtes Hohlkreuz, Päckchen, Seitenlage, Überstrecker I und II, oder auch die bewährte Stufenbettlagerung helfen Ihnen weiter.

Unterarmstütz Rückenübung

Stützübungen sind tolle Stabilisationsübungen für den Rücken


4. Allgemeines zur Bandscheibengesundheit

Unsere Ernährung hängt eng mit unserer Rückengesundheit zusammen. Ausreichend Flüssigkeit unterstützt bekanntermaßen vor einem Verschleiß der Bandscheiben. Zudem hilft eine vitamin- und kalziumreiche Ernährung der Knochengesundheit:


Kalzium ist für die Struktur und Stabilität unseres Bewegungsapparats verantwortlich –Vitamin D hat eine Schlüsselfunktion bei der Regulation der Kalziumaufnahme inne. Vitamin A hilft dem Knochenwachstum, Vitamin K bei der Bildung der Eiweiße, welche für die Knochensubstanz benötigt werden (Osteocalcin). Vitamin C unterstützt die Kollagenbildung im Binde- und Stützgewebe. Hier also unsere Ernährungstipps:

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    Kalzium: Hartkäsesorten (Parmesan, Emmenthaler), fettarme Milchprodukte, frisches Gemüse, Getreideprodukte, Obst, Mineralwasser, Fruchtsäfte mit Kalzium.
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    Vitamin A: gelbe Früchte und Gemüse wie Karotten, Pfirsiche, Aprikosen, außerdem Weizen, Milch und Leber.
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    Vitamin D: besonders hoch konzentriert in fetten Fischsorten (Hering, Aal, Lachs), zudem in Eiern, Milchprodukten, und Speisepilzen. Ideal wäre ein täglicher Aufenthalt im Freien für mindestens 30 Minuten lang (Sonnenlicht).
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    Vitamin K: grüne Gemüsesorten (Brokkoli, Spinat) und grüne Salatsorten.
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    Vitamin C: Sanddorn, Schwarze Johannisbeeren, Acerolakirschen, Paprika, Petersilie, Zitrone, Tomaten, Äpfel, Spinat, Apfelsinen, Rosenkohl. Rohe Speisen enthalten mehr als gekochte.

Lebensmittel, die den Knochenaufbau direkt oder indirekt behindern oder den Knochenabbau fördern, sind vor allem Alkohol und Fett. Alkohol beeinträchtigt die Knochenzellen und die Leber, welche für die Bildung von aktivem Vitamin D zuständig ist. Fett behindert die Aufnahme von Kalzium über den Darm und fördert Übergewicht.


Beachten Sie: Auch Rauchen schadet den Bandscheiben, ein Fakt, der häufig übersehen wird – doch Experten wissen über die negativen Auswirkungen von Nikotin Bescheid:

Rauchen hat einen ungünstigen Einfluss auf die Nährstoffversorgung der Bandscheiben. Wer das Rauchen aufgibt, senkt sein persönliches Risiko für Rückenbeschwerden ganz erheblich.

5. Hausmittel gegen Rückenschmerzen

Auch Mutter Natur kann Ihnen bis zu einem gewissen Grad bei der Schmerzlinderung behilflich sein. Versuchen Sie etwa diese natürlichen Methoden:

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    Wärme: sie lockert die Rückenmuskeln und fördert die Durchblutung. Genehmigen Sie sich am besten ein entspannendes Bad – auch Stressreduktion wirkt sehr gut. Fügen Sie auch ätherische Öle mit muskellockernder Wirkung hinzu: Arnika, Thymian, Rosmarin, Kampfer, Wacholder und Pfefferminz sind empfehlenswert.
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    Kälte: diese Anwendung funktioniert nur dann, wenn eine Entzündung hinter Ihren Schmerzen steckt. Ist dies nicht der Fall, halten Sie sich besser an Wärme.
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    Entspannungsübungen: besonders wichtig ist es auch, sich von Stress zu befreien. Dabei helfen progressive Muskelentspannung, Yoga, oder auch Techniken wie Tai Chi und Meditation.
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    Heublumen-Sud: dieser kann zum einen als Kissen verwendet werden, welches mit Wasser befeuchtet auf die schmerzende Stelle am Rücken gelegt wird. Zum anderen kann er auch in einem Bad angewendet werden. Mischen Sie dazu 25 Gramm Heublumen mit einem Liter Wasser. Kochen und am besten 20 Minuten ziehen lassen.
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    Chilli-Kompresse: machen Sie dafür einen Umschlag aus einem feuchten Tuch mit aufgestreuten Chiliflocken. Muskulär bedingte Schmerzen können durch den Inhaltsstoff Capsaicin gelindert werden. Um den Effekt zu verstärken, legen Sie eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen darauf.

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Gerald Dorsofit

Über mich

Als Magister der Sportwissenschaften und Personal Trainer, weiß ich um die Wichtigkeit eines gesunden Rückens bestens Bescheid. 


Ich habe selber vorgewölbte Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule und berate meine Besucher mit meinen Erfahrungen rund um Rückenbeschwerden, Rückentraining und ergonomisches Arbeiten